Biber in Bergshausen – wertvolle Rückkehrer an unserer Fulda
Wer in den vergangenen Wochen entlang der St.-Johann-Promenade in Bergshausen unterwegs war, konnte an einem Birnenbaum deutliche Spuren entdecken: Ein Biber hatte den Stamm nach und nach angenagt. Das sorgte für Aufmerksamkeit und auch für die Frage, ob der Baum noch gerettet werden könne.
Als die Gemeinde Fuldabrück erstmals auf den Baum aufmerksam gemacht wurde, war dieser bereits stark angenagt. Wir haben uns daher bewusst dazu entschieden, nicht mehr einzugreifen und den Baum dem Biber zu überlassen. Vor wenigen Tagen ist der Baum schließlich umgestürzt.
So bedauerlich der Verlust eines Baumes zunächst erscheinen mag: Das Verhalten gehört zur natürlichen Lebensweise des Bibers. Dass wir Biber unmittelbar vor unserer Haustür beobachten können, ist aus Sicht des Natur- und Artenschutzes eine erfreuliche Entwicklung.
Der Biber kehrt zurück
Nachdem der Biber über lange Zeit aus weiten Teilen Deutschlands verschwunden war, breitet er sich auch in Hessen wieder aus. Nach Angaben der HNA wurden im Sommer 2026 allein in Nordhessen bereits rund 37 Biberreviere mit etwa 130 Tieren vermutet. Auch an der Fulda und ihren Zuflüssen hat die Art wieder Lebensräume gefunden.
Biber gelten als sogenannte Schlüsselart unserer Fließgewässer und Auen. Durch das Fällen von Bäumen, den Bau von Dämmen und das Aufstauen von Gewässern verändern sie ihre Umgebung. Dadurch entstehen strukturreiche Uferbereiche und Feuchtgebiete, die zahlreichen Tier- und Pflanzenarten neue Lebensräume bieten. Wasser wird länger in der Landschaft gehalten und auch Amphibien, Insekten, Fische und Vögel können von den neu geschaffenen Strukturen profitieren.
Wie können Bäume geschützt werden?
Natürlich bedeutet die Rückkehr des Bibers auch, dass es zu Konflikten kommen kann. Gerade wertvolle oder besonders erhaltenswerte Einzelbäume können jedoch vergleichsweise einfach geschützt werden. Bewährt haben sich stabile Drahthosen aus Maschendraht, die mit ausreichend Abstand um den Stamm angebracht werden. Wichtig ist, dass sie hoch genug sind und dem Baum weiterhin Platz zum Wachsen lassen. Je nach Standort kommen auch andere fachgerechte Schutzmaßnahmen infrage.
Nicht jeder angenagte Baum muss allerdings geschützt werden. Wo keine Gefahr für Menschen oder Infrastruktur besteht, kann es durchaus sinnvoll sein, dem Biber einen Teil seines natürlichen Lebensraums zu überlassen – so wie wir es bei dem Birnenbaum an der St.-Johann-Promenade getan haben.
Der Biber steht unter strengem Schutz
Der Europäische Biber ist nach europäischem und deutschem Naturschutzrecht besonders und streng geschützt. Es ist grundsätzlich verboten, Bibern nachzustellen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten. Auch ihre Fortpflanzungs- und Ruhestätten stehen unter Schutz. Wenn durch Biberaktivitäten Konflikte entstehen, dürfen daher nicht eigenmächtig Tiere, Burgen oder Dämme beseitigt werden. Für solche Fälle gibt es in Hessen ein Bibermanagement, über das nach geeigneten Lösungen gesucht werden kann.
Toter Biber an der St.-Johann-Promenade gefunden
Umso trauriger ist ein aktueller Fund: Unweit des umgestürzten Birnenbaums wurde am 23. September ein toter Biber entdeckt. Die genaue Todesursache ist derzeit nicht geklärt. Die obere Naturschutzbehörde und die Polizei haben sich vor Ort ein Bild von der Lage gemacht.
Der Fund sollte uns dennoch daran erinnern, wie wichtig ein rücksichtsvolles Miteinander von Mensch und Wildtier ist. Biber dürfen weder verfolgt noch bedrängt oder verletzt werden. Auch Hundehalterinnen und Hundehalter bitten wir um besondere Rücksichtnahme und darum, die geltenden Regelungen zur Leinenpflicht im Bereich der Fuldaaue zu beachten. Ein angeleinter Hund schützt dabei nicht nur Wildtiere, sondern auch den eigenen Hund vor möglichen Auseinandersetzungen.
Ein Stück Natur vor unserer Haustür
Dass der Biber nach langer Abwesenheit wieder an der Fulda lebt, ist ein Erfolg für den Natur- und Artenschutz. Natürlich kann sein Verhalten auch einmal unbequem sein: Ein Baum fällt oder Wasserstände und Uferbereiche verändern sich. Solche Konflikte müssen ernst genommen und im Einzelfall gelöst werden.
Gleichzeitig sollten wir dem Biber dort Raum geben, wo dies möglich ist. Denn mit ihm kehrt nicht nur eine einzelne Tierart zurück. Der Biber gestaltet Lebensräume, von denen viele weitere Arten profitieren.
Deshalb unsere Bitte: Beobachten Sie die Biber gerne mit ausreichend Abstand, respektieren Sie ihre Lebensräume und lassen Sie die Tiere ungestört. Wir können froh darüber sein, dass der Biber wieder in Fuldabrück heimisch ist – und gemeinsam dazu beitragen, dass das auch so bleibt.